Technik und Wirtschaft in der Industrialisierung

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Technik und Wirtschaft in der Industrialisierung

von Akos Paulinyi. Hg. Karl von Delhaes/ Peter Hertner

 

Wer Akos Paulinyi zum Freund oder auch zum Kollegen hat, weiß, dass das oft missbrauchte Konzept der Interdisziplinarität und das in vielen Fällen so leicht hingeworfene Wort von der Internationalität, dass diese beiden Charakterisierungen gelegentlich auf ein und dieselbe Person wirklich zutreffen.

Bei Akos Paulinyi wird man in der hier vorgelegten Auswahl aus seinen Beiträgen den interdisziplinären Ansatz unschwer aus der Überschneidung und Überlagerung von Technikgeschichte, Wirtschaftsgeschichte und Sozialgeschichte herauslesen können, wird sehen können, dass diese historischen Teildisziplinen untereinander zahllose Berührungspunkte kennen und ihrerseits wiederum für ihre Fragestellungen auf die Beiträge der systematischen Ansätze der Ingenieurwissenschaft, der Ökonomie und der Soziologie angewiesen sind.

Was die Internationalität, die Existenz zwischen verschiedenen Nationen betrifft, so hat sie Akos Paulinyis Leben bis heute geprägt: In Budapest geboren, in Wien aufgewachsen, hatte er als Student und junger Wissenschaftler in Bratislava prägende Jahre verbracht und dann - nicht zuletzt wegen der drohenden Repression in der CSSR - ab 1968 seine Karriere an der Universität Marburg und ab 1977 als Inhaber des Lehrstuhls für Technik- und Wirtschaftsgeschichte an der Technischen Hochschule Darmstadt fortgesetzt.

Vor allem seit der Mitte der 1970er und in den 1980er Jahren verbrachte er fast jedes Jahr mehrere Monate in England, dem Land, das als Mutterland der Industriellen Revolution ihn als Technik- und Wirtschaftshistoriker fasziniert hat.

Man wird vermuten dürfen, dass ihn das Umfeld seiner ersten Lebenshälfte und seine kulturellen Prägungen immer wieder wissenschaftlich auf einen Raum verwiesen haben, der sich von den polnischen und slowakischen Karpaten bis nach der Steiermark und Kärnten erstreckt.

Hinzu kam dann in späteren Jahren sein bereits angesprochenes Interesse am konkreten Verlauf von Erfindung und Innovation im Großbritannien der industriellen Revolution und deren folgender Umsetzung in der so ganz anderen Welt Mittel- und Ostmitteleuropas, die im 19. Jahrhundert trotz ihrer ganz offenkundigen Rückständigkeit auf technischem, allgemein wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet in bestimmten Sektoren und durch bestimmte Innovationen durchaus originelle Lösungen fand, um diese Nachteile zumindest vorübergehend auszugleichen.

Jenseits der räumlichen Dimension erfuhr sein ganz undoktrinär konzipierter Marxismus - in der Wirtschaftsgeschichtsschreibung der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ohnedies weltweit von erheblichem Einfluss - alsbald Ergänzung durch Gedankengänge etwa der deutschen historischen und der österreichischem Schule und andere nichtmarxistische Ansätze.

Für diese Vielfalt der Einflüsse - im wahrsten Sinne des Wortes Grenzüberschreitungen - sind bei Akos Paulinyi nicht nur familiäre und politische Umstände verantwortlich, sie sind auch und vor allem Folgen einer ihm ganz eigenen Neugier, seines Wissensbedürfnisses, seiner ständigen Bereitschaft, Widerspruch zu üben und Überkommenes zur Diskussion zu stellen.

Technikhistorische Fragestellungen konnte er so in seinen Forschungen auf durchaus originelle Art und Weise weiterentwickeln.

Maßgeblich bleibt dabei immer eine Sichtweise, bei der der Mensch Ausgangs- und Fluchtpunkt ist: .... Technik ihr Entstehen und ihr Einsatz wurde und wird hauptsächlich aber nur von den ökonomischen Interessen und Zielsetzungen einer Gesellschaft bestimmt.

Die Rückwirkung der Technik auf den Menschen wird andererseits zum Beispiel in dem Beitrag Industrielle Revolution: Die Entstehung des Fabriksystems in Großbriannien thematisiert. In vielen seiner Forschungen hat sich Akos Paulinyi mit technikhistorischen Aspekten der Entwicklung des ausgehenden 18. und der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts beschäftigt in welcher der wissenschaftliche Laie als Erfinder der klassische Tüftler allmählich vom natur- und ingenieurwissenschaftlich ausgebildeten Fachmann abgelöst wurde.

Analog dem von Reinhart Koselleck in die Begriffsgeschichte eingebrachten Begriff der Sattelzeit waren die Jahrzehnte des Übergangs von den auf Erfahrung und Beobachtung basierenden Prozessen der Erfindung und Innovation zu überwiegend wissenschaftsgestützten Erfindungs- und Innovationsabläufen von grundsätzlicher Bedeutung für die Moderne.

Das Voranschreiten der Industriellen Revolution die Ausdehnung des Industrialisierungsprozesses auf weitere Teile Europas und der außereuropäischen Welt wären ohne diesen Schritt mit dem das Nebeneinander von Technik und Wissenschaft von Praxis und theoretischer Erkenntnis ein für allemal beendet wurde wenn überhaupt dann viel langsamer verlaufen.

Die Ersetzung der traditionellen Hand- Werkzeug - Technik durch die Maschinen-Werkzeug- Technik also das Realisieren des Prinzips der Maschinenarbeit gehört Akos Paulinyi zufolge zum Kernbestandteil der Industriellen Revolution deren technikhistorische Aspekte er in einer groß angelegten Synthese im dritten Band der Propyläen Technikgeschichte mit vorbildlicher Präzision vorgestellt hat.

Dieser Beitrag baut einerseits auf den umfangreichen empirischen Studien der vorangegangenen Jahrzehnte zur Geschichte von Handwerk und Industrie im Eisen- und Stahlsektor auf andererseits ist er aber auch Frucht seiner Lehrtätigkeit an der Comenius-Universität in Bratislava und dann an der Technischen Hochschule - heute Technische Universität- Darmstadt.

Das Anliegen der Herausgeber war es in Zeitschriften und Sammelwerken verstreute Beiträge in einem Band zu präsentieren nicht nur um die Konturen des Wissenschaftlers Akos Paulinyi zu beleuchten wie dies zumeist die Aufgabe von Festgaben ist.

2012.

376 Seiten.

16,5 x 24,5 cm.

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